Eine der letzten Ausgaben des Alternativlos-Pocasts ist Anlass, hier einmal auf das lesenswerte Blog Neusprech.org hinzuweisen.
Macher der Seite sind Martin Haase, Professor für Linguistik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, und Kai Biermann, Journalist bei Zeit Online. Seit einem Jahr schreiben beide über die alltägliche Vernebelung von Tatsachen durch geschickten Gebrauch der deutschen Sprache. Der Begriff „Neusprech“ geht dabei auf den Roman „1984“ von George Orwell zurück und bezeichnet dort die stark vereinfachte und in ihrer Bedeutung eingeschränkte Sprache, die dem Überwachungsstaat das Werkzeug an die Hand gibt, politische Ereignisse so positiv wie möglich darzustellen. Wahrscheinlich hat Orwell unter dem Einfluss des deutschen Autoren Victor Klemperer gestanden, der in seinem „LTI – Notizbuch eines Philologen“ (Lingua Tertii Imperii: Sprache des Dritten Reiches) den „Neusprech“ eben seiner Zeit aufgedeckt hatte. Manche Begriffe, die in der Zeit des Nationalsozialismus geprägt wurden, haben sich bis heute erhalten, ohne dass sie ihren Ursprung zu erkennen geben, etwa „Staatsakt“ oder „Dachorganisation“.
Zurück in die Gegenwart: Man muss nicht hinter allen Positionen stehen, die das Blog Neusprech.org bezieht, aber man sollte sein Angebot nicht abschlagen, mit ihm die eigenen Sinne zu schärfen. Alltägliche Begriffe wie „Leistungsschutzrecht“, „Studienbeiträge“ oder „depublizieren“ werden von einer anderen, nachdenkenswerten Seite beleuchtet.
Wer mehr von Martin und schönen Wörtern erfahren möchte, dem sei sein Vortrag auf dem 25c3 oder die oben erwähnte Alternativlos-Folge empfohlen.